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Meditation – 4 Mythen darüber ausgeräumt

Zen Kloster Eisenbuch - Meditationsraum

Meditation ist ja in den letzten Jahren zu einer richtigen Modeerscheinung geworden und Genussgeeks ist ein Livestyleblog, somit habe ich an sich schon genug Legitimation hier einen Artikel dazu zu schreiben, aber Meditation bedeutet mir mehr und ich muss sagen, dass es das beste ist, dass ich selbst in den letzten Jahren gelernt und trainiert habe. Doch dazu später mehr.

Wenn ich mich mit anderen Menschen über das Thema unterhalte, dann weiss jeder eine Geschichte dazu zu erzählen, viele davon sind richtige, einige aber auch falsch und gerade diese falschen Mythen halten oft davon ab, sich mit Meditation eingehender zu beschäftigen, dazu schreibe ich etwas um mehr Menschen einen vorurteilsfreien Zugang zu ermöglichen.

1) Ich komme nicht aus Asien und kann keine Sanskrit lesen

Trotzdem kann ich aber auch meditieren. Meditation hat nicht ausschließlich etwas im asiatischen Raum zu suchen, sondern gerade auch in den christlichen Kirchen eine lang verwurzelte Heimat. Streng genommen ist jedes Gebet eine Meditation und der Rosenkranz ein chanten von Mantras.

Seit dem Mittelalter gehört die christliche Meditation und die Kontemplation in die christlichen Klöster und ist dort auch heute noch zu finden. Auch ich selbst habe einen Teil meiner Praxis in einem christlichen Kloster erworben und ich komme gerne dorthin zurück. Es ist also ein falscher Mythos, das meditative Praxis in der westlichen Welt nicht zu Hause ist.

2) Warum eigentlich?

Ja, diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn es gibt sicherlich 1000 von Gründen dafür. Mein persönlicher Grund ist, dass mir Meditation sehr dabei hilft mit Streß umzugehen und zur Ruhe zu kommen. Faktisch ist eine Mediation die einzige Möglichkeit unser denkendes Bewusstsein für einen Moment zu beruhigen und den Gedankenstrom anzuhalten. Denn selbst wenn wir schlafen ist unser Geist wach. Der Beweis hierfür sind die Träume.

Wenn Du Meditation zur Streßbewältigung verwenden möchtest, dann gibt es hierfür inzwischen eine Methode, die frei ist von jeder östlichen Weltanschauung. Diese nennt sich MBSR und wurde Jon Karat-Zinn entwickelt. Ziel hierbei ist es durch Achtsamkeit besser mit Stress, Angst und Krankheit umzugehen. Meiner Meinung nach ist dies eine der wichtigsten Kompetenzen um in anspruchsvollen beruflichen und privaten Lebenssituationen bestehen zu können.

3) Ich kann meine Gedanken nicht anhalten, das habe ich schon versucht.

So habe ich am Anfang auch gedacht, bis ich die netten Videos von Yongey Mingyur Rinpoche entdeckt habe. Es geht gar nicht darum die Gedanken anzuhalten, dass passiert irgendwann von selbst. Am Anfang lenkst Du deine bewussten Gedanken einfach ab. Es ist ganz nett, wie der Rinpoche dies als „Monkey Mind“ beschreibt, der von einem Gedanken zum andern springt. Das gute daran ist allerdings, dass sich der Geist immer nur auf eine Sache konzentrieren kann. Du mußt den Affen also nur richtig beschäftigen und dann wird es auf einmal still. Am Anfang nur einen kleinen Moment und der Moment wird dann immer länger und länger.

Es geht also nicht darum gegen die Gedanken zu anzukämpfen, sondern diese wahr- und anzunehmen und dann aber wieder weiter zu gehen und diesen Gedanken nicht zu viel Raum zu geben.

Somit sind Gedanken und Geräusche und anderen Ablenkungen als gar nicht schädlich, sondern es handelt sich um eine wertvolle Unterstützung in der Praxis. Dies bringt mich zum nächsten Mythos:

4) Ich habe keine Zeit und keinen ruhigen Ort zur meditieren.

Ich habe meine täglichen Meditationspraxis begonnen, als ich angefangen habe jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit zu pendeln. Also an keinem Ort, wo die Luft mit feinem Düften erfüllt ist, kein Ort an dem Ruhe herrscht, kein Ort der bequem ist und an dem ich alleine war. Es war wunderbar!

Du kannst all dies in Deine Übungen einbauen und es hilft Dir, wenn Du dich auf die Geräusche konzentrierst, den „Affen im Kopf“ für einen Moment abzulenken und den Gedankenstrom anzuhalten. Auch der Schweißgeruch Deines Nebenmannes kann eine gute Unterstützung sein: Sie lehrt dich, Dinge so anzunehmen und auszuhalten, wie diese eben gerade in dem Moment sind, und nicht wie ich sie haben möchte.

Meine ersten Fortschritte konnte ich beobachten, als mein  Zug Verspätung hatte. Am Anfang habe ich viel Energie aufgewendet um mich über die unpünktliche Bahn zu beschweren, mich zu bedauern, dass ich pendeln muss, zu jammern, dass ich nun am kalten Bahnhof stehen musste. Ich habe viel Energie aufgewendet um nicht nur für mich zu jammern sondern ich habe noch meine Mitreisenden auch mit bejammert.
Nach einer gewissen Zeit der Praxis habe ich dann erkannt, dass es gar nicht so schlimm ist und egal ob ich mich nun aufrege oder nicht, der Zug nicht schneller kommt. Ich habe mit meinen schlechten Gedanken in der Vergangenheit nur mir selbst geschadet und mir selbst schlechte Laune bereitet.
Inzwischen habe ich den Zustand erreicht, indem ich Mitgefühl für meine Mitreisenden und vor allem auch für die Zugbegleiter empfinde die in einer solchen Situation von vielen Reisenden als „Blitzableiter“ verwendet werden.

Meditation braucht also keinen Ort aber sehr wohl Zeit. JEIN!

Jein, da man unterscheiden muss zwischen formaler und informeller Meditation.

Formale Meditation ist das klassische „Sitzen“ im Schneidersitz erfordert 15-30 Minuten Zeit pro Tag. Aber Achtsamkeit und ein Moment der Innenschau, dass läßt sich in den Alltag einbauen. Versuche hier einfach das „automatisch ablaufende Programm“ für einen Moment zu beenden und achte auf das was ist!

Ein Beispiel: Wenn ich so am Morgen vor mich hin laufe, so habe ich eine ganz bestimmte Geschwindigkeit und eine bestimmte Art zu gehen. Möchte ich dies achtsam tun, so verlangsame ich meine Gehgeschwindigkeit und ich versuche beim gehen meine Fußsohle im Schuh zu spüren und den Kontakt zur Strasse. Das mache ich ein paar Schritte und auch das, das ist eine Form der Meditation! Eine andere Möglichkeit ist z.B. einmal tief einzuatmen, bevor Du an das Telefon gehst.

Kleine Dinge, oft am Tag wiederholt ergibt eine schöne tägliche Praxis. Da es also keinen besonderen Ort der Stille o.ä. braucht kannst Du also jederzeit und an jedem Ort  5 Minuten die Augen schließen und z.B. den eigenen Atem oder die Geräusche beobachten. Auch das ist Meditation! Ich behaupte, dass jeder Mensch Zeit finden kann. Der Beweis sind für mich die streng terminlich getakteten Topmanager der Wirtschaft die es auch schaffen in den Arbeitsalltag diese kleinen Pausen einzubauen und sehr davon profitieren. Als ich noch geraucht habe, hatte ich hierfür auch immer ein paar Minuten Zeit gefunden…

Zen Kloster Eisenbuch - Meditationsraum

Zen Kloster Eisenbuch – Meditationsraum

1000 Worte sind bereits geschrieben

deshalb beende ich den Artikel. Solltet Ihr Lust haben, mehr zu lesen, so schreibt mir dies in den Kommentaren, ich kann noch einige Worte hierzu verlieren, aber ich möchte dies auch in einer guten Dosis tun, denn das Thema an sich ist mir zu wichtig als nur in einem Artikel wie in einer Illustrierten herunter geschrieben zu werden.

Ich wünsche Euch allen einen achtsamen Jahresausklang und einen guten Start in das neue Jahr 2016!

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